Golemův šém

Schem

Rudolf

Der Begriff Golem (hebräisch הגולם) stammt aus der alten jüdischen Mystik. Mit Golem wurde ein künstliches, von einem Menschen geschaffenes Wesen bezeichnet, das durch besondere Magie zum Leben erweckt werden konnte. Aber selbst wenn Menschen die unterschiedlichsten Werke schaffen können, sind sie doch nicht in der Lage, etwas Lebendiges zu erschaffen. Leben – als Geschenk Gottes – kann man eben nur durch Geburt weitergeben. Diese Einschränkung regte seit jeher – wie jede andere Beschränkung durch die Natur – die Fantasie der Menschen an. Nach alten jüdischen Legenden war es möglich, einem künstlich geschaffenen Wesen Leben einzuhauchen, wenn man nur gründlich genug und aufrichtig die Heilige Schrift studierte. Da man sich als Mensch aber nie mit seinem eigenen Schöpfer gleichstellen kann, bleibt das von einem Menschen zum Leben erweckte Geschöpf immer unvollständig. Und so ist das künstliche Wesen nur eine mechanische Nachahmung seines lebendigen Vorbildes. Es hat keinen eigenen Willen, keine eigenen Gedanken oder Gefühle und erfüllt nur die Anordnungen seines Herrn. Wohl aus diesem Grund wurde in der jüdischen Welt so ein Wesen mit dem Begriff Golem bezeichnet, das im Hebräischen etwas Unvollendetes, Ungeformtes bedeutet.



In der jüdischen Tradition war der Golem ein menschlichenähnliches Geschöpf aus Lehm. Um ihn zum Leben zu erwecken, brauchte man ein sogenanntes Schem. Das war nichts Materielles, sondern ein Wort – der Name Gottes – das in der richtigen Buchstabenkombination auf ein Stück Pergament oder Papier geschrieben und dem Golem in den Mund gelegt wurde. Wenn man es wieder herausnahm, erlosch sein Leben wieder.


In den jüdischen Sagen aus der Zeit der Romantik, besonders denen aus Mittel- und Osteuropa, sind mehrere Meister überliefert, die einen Golem zum Leben erwecken konnten. Die berühmteste dieser Sagen ist die Legende von dem Prager Golem. Dieser soll von dem berühmten Gelehrten Rabbi Jehuda Löw Ben Bacalel geschaffen worden sein, der auch bekannt ist als der Prager Maharal, der um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts lebte und zu den bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit gehörte. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er in Prag, wo er 1609 starb und auf dem alten jüdischen Friedhof begraben wurde. Sein Wirken in Prag fällt in die Zeit Kaiser Rudolfs II, der als großer Liebhaber der Kunst und der Wissenschaften galt, einschließlich der zu der Zeit beliebten Alchemie und des Hermetik. Der Grund für das angebliche Zusammentreffen Rudolfs II mit Rabbi Löw und der Inhalt ihrer langen Unterredung konnte nie enthüllt werden.


Der Prager Golem soll erschaffen worden sein, um das Prager jüdische Ghetto vor Angriffen zu schützen. Nach anderen Quellen nutzte Rabbi Löw in friedlichen Zeiten, wo keine Angriffe drohten, den Golem als Haus- oder Tempeldiener. Am Sabbat nahm der Rabbi ihm das Schem aus dem Mund, denn er musste das Gesetz einhalten. An diesem Tag hatte auch Golem, wie es von Gott vorgesehen war, seinen Ruhetag.

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